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Nachrichten, Interviews, Presseerklärungen

Disput

Nicht nur für Mädchen

Unter dem Motto »fraut euch was – links ins Superwahljahr« beteiligte sich die Bundesgeschäftsstelle der LINKEN am diesjährigen Girl's Day. DISPUT war dabei

Von Dirk Schröter

Fünfzehn Mädchen im Alter zwischen elf und siebzehn Jahren sind am 23. April 2009 ins Berliner Karl-Liebknecht-Haus gekommen, um einen Einblick in die Partei DIE LINKE zu erhalten. Anfänglich noch etwas schüchtern, bricht das Eis recht schnell, als die Mädchen zwischen  verschiedenen Gruppen wählen dürfen, in denen sie ihr Wissen über internationale Politik unter Beweis stellen, eigene Forderungen für eine bessere Welt  erarbeiten, ein Transparent gestalten oder den Jugendverband Linksjugend [‘solid] kennenlernen können.

Die Bundesgeschäftsstelle der Partei DIE LINKE beteiligt sich zum dritten Mal am Girl's Day. Ziel dieses Tages ist es, Schülerinnen ab der fünften Klasse einen Einblick in Berufe zu geben, die von Frauen eher gemieden werden. Trotz durchschnittlich besserer Schulabschlüsse wählen junge Frauen aus einem sehr engen Berufsspektrum aus und dabei vor allem »typisch weibliche« Berufe wie Friseurin oder Krankenschwester. Insbesondere technische Berufe sind daher sehr von Männern dominiert.
 
Auch in der Politik ist der Frauenanteil sehr gering, die Männerdominanz spürbar. DIE LINKE ist zwar die Partei mit dem höchsten Frauenanteil aller im Bundestag vertretenen Parteien. Dieser liegt aber mit 38 Prozent weit unter der Hälfte aller Mitglieder. Problematischer ist, dass die Partei ihre Attraktivität für Frauen nach und nach zu verlieren scheint. Gerade mal ein Viertel der Neueintritte sind Frauen. Offenbar ist es für Frauen nicht attraktiv genug, sich in Parteien zu engagieren, und auch DIE LINKE vermag es nicht, Überzeugendes anzubieten. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Themen, auf die DIE LINKE derzeit hauptsächlich setzt, für Frauen keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. Darum heißt es am Girl's Day nicht nur, den Mädchen linke Politik näher zu bringen, sondern auch ganz genau hinzuhören, welche Themen für junge Frauen am Bedeutendsten sind.
Umso wichtiger ist es, dass der Girl's Day von allen Gliederungen der Partei DIE LINKE als Chance begriffen wird, junge Mädchen für Politik zu begeistern und selbst Anregungen für die eigene Politik mitzunehmen. Der Girl's Day ist eben nicht nur etwas für Mädchen, sondern kann auch umgekehrt der Politik einen spannenden Einblick in die Lebenswelt junger Frauen bieten. Leider wird diese Chance noch von zu wenigen genutzt. In diesem Jahr haben sich neben der Bundestagsfraktion und der Bundesgeschäftsstelle der LINKEN nur sehr wenige Landes- und Kreisverbände am Girl's Day beteiligt. Das Ziel sollte es deshalb sein, im nächsten Jahr eine breitere Unterstützung für den Girl's Day zu gewinnen.

Im Karl-Liebknecht-Haus ist der Girl's Day erneut ein Erfolg. Die Mädchen sind motiviert und wissbegierig. In einer »Pressekonferenz« stellen die Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse vor. Geleitet wird diese von der elfjährigen Nadja aus dem Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Mit viel Begeisterung führt sie durch die Pressekonferenz und wirkt dabei fast so wie eine echte Pressesprecherin.  Auf den Punkt bringt das selbstgestaltete Transparent die Ergebnisse des diesjährigen Girl's Days. »Traut Euch, Mädchen!« steht darauf.
 
Ein ereignisreicher Tag ist fast vorüber. Von Müdigkeit ist bei den Teilnehmerinnen jedoch keine Spur. Im Gegenteil, ganz plötzlich entwickelt sich die spannendste Diskussion des Tages. Es geht um die Frage, ob Hausaufgaben abgeschafft werden sollten oder nicht. Argumente für und wider werden ausgetauscht und man fühlt sich fast in eine der zahlreichen Parteisitzungen versetzt. Nur dass alles ein wenig lockerer ist, weniger verbissen. Davon kann sich so manche Politikerin und so mancher Politiker eine Scheibe abschneiden.
 
Was ihnen besonders gefallen habe, werden die Teilnehmerinnen zum Schluss gefragt. »Toll fand ich, dass wir uns verschiedene Gruppen aussuchen durften«, sagt Nadja. Die 17jährige Sophie aus Berlin-Mitte findet besonders gut, dass es die Möglichkeit gab, viel miteinander zu diskutieren und Meinungen auszutauschen. Über eines sind sich alle Mädchen einig: Dass es Pizza zum Mittag gab, war super.

Konkrete Forderungen an die Politik gibt es natürlich auch. Wie es sich gehört, wird darüber ganz demokratisch abgestimmt. Mit zwei Gegenstimmen fordern die Mädchen eine Kinder- und Jugendvertretung, und zwar ohne Erwachsene. Denn letztlich wünschen sie sich vor allem eines: »Wir wollen mitreden! Wir wollen nicht, dass über uns bestimmt wird.«  Diese Möglichkeit hat ihnen DIE LINKE gegeben. Und diese Möglichkeit sollte ihnen DIE LINKE auch weiterhin geben. Nicht nur am nächsten Girl's Day am 22. April 2010, sondern im ganz normalen politischen Alltag.

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