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Zeuginnen der Anklage
7. März 2009 in Dortmund: Tribunal zum Internationalen Frauentag »Wer macht eigentlich die ganze Arbeit?
Von Ulrike Zerhau
In der Krise sind sie die Ersten, die rausfliegen: die sogenannten prekären Beschäftigten. Gegenüber den »Normalbeschäftigten« sind sie ständig im Nachteil, und sie werden oft noch nicht einmal zur Belegschaft gezählt. Sie dienen als personeller Puffer, damit Unternehmen in Zeiten höheren Arbeitsaufkommens heuern und bei Produktionsrückgang schnell wieder feuern können. »Prekär arbeiten« bedeutet für die betroffenen Menschen einen ständigen Wechsel zwischen Zeiten mit und ohne Arbeit, ein Leben in ständiger Geldnot und Herabwürdigung. In Beschäftigungsformen ausgedrückt handelt es sich um Leiharbeitnehmer/innen, befristet Beschäftigte, Minilöhner/innen, Teilzeitbeschäftigte, ständig bedroht durch Hartz IV mit dem Zwang zur 1-Euro-Arbeit und die Aussicht, noch weiter abzurutschen. Frauen sind unter den Betroffenen eine besonders große Gruppe.
Dass immer mehr dieser Beschäftigungsverhältnisse entstehen konnten, ist das Ergebnis einer profitgesteuerten Personalpolitik in Betrieben und Verwaltungen einerseits und dem Handeln der den Unternehmen überaus freundlich gesonnenen SPD-Grünen-CDU/CSU-Regierungen andererseits. Arbeitnehmerschutzrechte wurden gekappt unter dem scheinheiligen Vorwand, Arbeitssuchende konkurrenz- und dadurch arbeitsmarktfähig zu machen. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit wurde nicht wirklich angegangen. Dass Menschlichkeit keine Rolle in der Arbeitswelt spielt, ist ein Skandal. Aus diesen Gründen klagen wir an!
Am 7. März 2009 veranstaltet DIE LINKE in Dortmund ein halbtägiges Tribunal zum Internationalen Frauentag. Von prekärer Arbeit betroffene Frauen werden in den Zeugenstand gehen. Sie werden ihr Leben als Leiharbeiterin, befristet Beschäftigte, als schlecht bezahlte Arbeiterin usw. darstellen. Sie werden deutlich machen, wie sich ihr persönlicher Lebensalltag, ihr Familienleben, ihre gesamten sozialen Kontakte durch ihre Arbeit verändert haben. Sie werden aber auch zeigen, wie sie sich wehren und für ihre Rechte kämpfen. Dazu kommen Psychologen, Arbeitsmarktforscher/innen, Gewerkschaftsvertreter/innen, Ärzte und andere, die als Sachverständige auftreten. Das Kapital und die Regierung, beide national und international handelnd, setzen wir auf die Anklagebank. Sie sollen sich für die Folgen ihres Handelns verantworten. Ihnen werfen wir vor, dass sie ihre Interessen am Profit über die Interessen der Menschen gestellt und eine Gesellschaft der zwischenmenschlichen Kälte, der Angst und der Konkurrenz herbeigeführt haben.
Im Tribunal werden alle Rollen eines üblichen Gerichtsverfahrens besetzt sein. Das Tribunal ist öffentlich, und auch die Zuschauer/innen – das ist anders als in der Gerichtswirklichkeit – werden eine Rolle bekommen. Es wird spannend werden, also Termin vormerken und auf nach Dortmund!
Ulrike Zerhau ist stellvertretende Vorsitzende der Partei DIE LINKE.
ulrike.zerhau@die-linke.de
